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Was sind Konflikte?

 

 

Konflikt

Das Wort ,,Konflikt" stammt vom lateinischen Substantiv "conflictus" und bedeutet so viel wie Aneinanderschlagen, Zusammenstoßen, im weiteren Sinne daher auch Kampf oder Streit.

 

Es geht dabei um ein gleichzeitiges Aufeinandertreffen von unterschiedlichen

  • Wünschen
  • Bedürfnissen
  • Zielen
  • Entscheidungen
  • Handlungen usw.

die miteinander unvereinbar sind oder zumindest unvereinbar erscheinen.

Hieraus resultiert ein Handlungs- oder Lösungsdruck.

 

Konfliktfähigkeit

  • Sie bezieht sich oft auf zwischenmenschliche Konflikte
  • Zeigt sich erst in der direkten Auseinandersetzung
  • Wissen über Konfliktdynamiken ist häufig nicht ausreichend, erst das kompetente Handeln im Konflikt ist Konfliktfähigkeit

 

Ziele der Konfliktfähigkeit

  • Primäre Prävention (Grundlagen schaffen, um destruktive und damit kraftraubende Konflikte zu vermeiden
  • Sekundäre Prävention (Konflikte im Anfangsstadium erkennen, Eskalation vermeiden)
  • Tertiäre Prävention und Methodik (Konflikte in Win-Win-Situationen verwandeln)
  • Typologie (Konflikte nach Typ und Schweregrad erfassen)
  • Selbsterkenntnis (Zwischen eigenen und fremden Anteilen unterscheiden)
  • Fertigkeiten (Methodische Kompetenz zur Deeskalation)

 

Grundlagen der Konfliktfähigkeit

  • Neugierde / Lust auf Neues (Verteidigungsposition vermeiden -> „Moment mal, hier passiert etwas Spannendes.“)
  • Offenheit / Ergebnisoffenheit (Bedürfnis des Konflikt-Beteiligten ergründen. „Da braucht jemand Hilfe.“)
  • Mut zur Angst (Selbstbewusstsein) (Den eigenen Ängsten und dem Konflikt stellen. Selbstbewusst auftreten.)
  • Klärungsbereitschaft (Einsicht und Bereitschaft, sich auf Konflikte einzulassen. Lähmung vermeiden.)
  • Kooperationsbereitschaft (Eine objektive Wahrheit ist nicht möglich.)
  • Fehlerfreundlichkeit (Keine Schildfrage stellen. Blick nach vorne richten. Nicht moralisieren. Bisherige Standpunkte überdenken.)

 

Drei grundlegende Konflikttypen

  • Intrapsychische Konflikte: Konflikte in uns
  • Interpersonelle Konflikte: Konflikte mit einem (oder mehreren) anderen Menschen
  • Gruppenkonflikte: Als Sonderform der interpersonellen Konflikte

 

1.       Innere (intrapsychische) Konflikte

Primär werden Konflikte als Gefühl in uns wahrgenommen. Auch zwischenmenschliche und Gruppenkonflikte haben ihren Ausgangspunkt in dem einzelnen Menschen. Da der Menschen ein soziales Wesen ist und sich selbst nur über den Bezug zu anderen Menschen definieren kann, spielen diese immer eine Rolle. Weder als Interaktionspartner noch als Teil einer Gemeinschaft, kann der Mensch sich ausschließlich auf sich selbst beziehen. Zumindest die Vorstellungen, Erinnerungen, Ermahnungen, Belehrungen, Beispiele anderer Menschen sind zu jeder Zeit ein Teil von ihm. Aus diesem Grund ist die Trennung zwischen inneren Konflikten und zwischenmenschlichen Konflikten eher künstlicher Art. Aus didaktischen und historischen Gründen wenden die meisten Fachleute diese Unterteilung jedoch auch weiterhin an.

 

  • Bewusste innere Konflikte: In den bewussten inneren Konflikten erleben wir zwei Seelen in einer Brust. Die eine will, die andere nicht.

 

  • Annäherungs-Annäherungs-Konflikt: Diese Konfliktform liegt vor, wenn zwei oder mehr Ziele gleichermaßen erstrebenswert und wertvoll erscheinen, diese aber nicht zur gleichen Zeit verfolgt werden können. Das eine Ziel zu erreichen führt dazu, dass das anderen Ziel nicht erreicht werden kann.

 

  • Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt: Will man ein angenehmes Ziel erreichen, muss man dafür auf der anderen Seite negative Konsequenzen in Kauf nehmen. Etwas Erstrebenswertes kann nur für den Preis von etwas nicht Erstrebenswertem erreicht werden.

 

  • Vermeidungs-Vermeidungs-Konflikt: In diesem Konflikttyp muss zwischen unangenehmen Alternativen entschieden werden. Diese scheinen beide unattraktiv, und es gilt festzulegen, welches das kleinere Übel ist.

 

  • Unbewusste innere Konflikte: Mögliche Ursachen für unbewusste innere Konflikte
    • Konflikte zwischen Es – Über-Ich – Ich – Ich-Ideal aus der klassischen Psychoanalyse nach Sigmund Freud
    • Blockierter Lebensentwurf und/oder Minderwertigkeitsgefühle (Drang zur Kompensation) aus der Individualpsychologie nach Alfred Adler
    • Blockierter Individuationsprozess aus der analytischen Psychologie nach Carl Gustav Jung
    • Hyperreflexion und misslungene Selbstdistanzierung aus der Existenzanalyse nach Viktor Frankl
    • Störungen im Bezugssystem, blockierte Spontaneität und mangelnde Rollendifferenzierung aus dem Psychodrama und der Soziometrie nach Jakob L. Moreno
     

2.      Zwischenmenschliche (interpersonelle) Konflikte 

        „Die Hölle, das sind die anderen“ (Jean Paul Sartre)

Interpersonelle Konflikte liegen vor, wenn wenigstens zwei Personen eine Unvereinbarkeit im Fühlen, Meinen, Handeln, Denken oder Wollen haben. Zwischenmenschliche Konflikte haben jedoch auch etwas mit dem eigenen Selbstbild zu tun: Wenn Sie meinen oder wissen, dass eine andere Person Sie anders sieht, wenn sie Sie nicht bestätigt, wenn sie Ihre Rollenddifferenzierung beschneidet, Ihre Individuation behindert, Ihnen Minderwertigkeitsgefühle einflößt…, dann haben Sie ein Problem mit dieser Person.

Menschen haben ein feines Gespür dafür, ob ein Konflikt mit einem anderen Menschen vorliegt. Auch Menschen in unserem näheren Umfeld, die uns kennen und vielleicht auch ein Mitglied in der gleichen Gruppe sind (Team. Abteilung usw.) nehmen gewöhnlich wahr, dass etwas in der Luft liegt. Für außenstehende Beobachter dagegen ist das schwieriger zu erkennen.

 

3.      Gruppenkonflikte als Sonderform des zwischenmenschlichen Konflikts

Identität und Selbstbild hängen u.a. von den Vergleichen mit anderen Menschen und von der Bestätigung ab, die wir durch sie erfahren. Auch dies kann Ursache für Gruppenkonflikte sein. Je wichtiger einem Gruppenmitglied der Vergleich ist, desto eher wir es geneigt sein, bei einem auftauchenden Gefühl der Minderwertigkeit überkompensatorisch zu reagieren. Diese Überanpassung fällt als Zuviel des Guten negativ auf. Auch das Auseinanderklaffen von Selbst und Fremdbild erzeugt häufig Spannungen in Gruppen.

Typische Konfliktquellen in Gruppen sind außerdem unklar ausgeübte Führungsfunktionen. Wenn diese Funktionen vernachlässigt werden, kommt es meist zu Gruppenkonflikten, Für die Einzelperson ist es dann interessant, wo genau sie in diesem Beziehungsgeflecht steht und welchen Beitrag sie persönlich leisten kann und will, um den Konflikt konstruktiv zu bearbeiten.

Um eine erste Klarheit zu etwaigen Gruppenkonflikten zu erlangen, können Sie sich und anderen beispielsweise folgende Fragen stellen:

            1.  Worum genau geht es in diesem Konflikt?

            2. Wie beschreibt jede Partei für sich selbst die Geschichte dieses Konfliktes? Mit

                welchen Mitteln wird der Konflikt geführt?

            3. Wer genau streitet miteinander? Welche Beziehung haben die Kontrahenten                   zueinander?

            4. Welche Grundeinstellungen haben die Beteiligten zum Konflikt? Wozu sind sie bereit?                 Befinden sie sich auf dem Weg zur Lösung oder auf dem Weg in einen gemeinsamen                 Abgrund? Woran würden die Beteiligten erkennen, dass der Konflikt beigelegt oder                 kooperativ gelöst worden ist?

 

Konfliktlösungen

1.    Konflikt-Vermeidung

Erspart die Auseinandersetzung. Verhindert zugleich die Befriedigung der Interessen beider Parteien. Es handelt sich um eine Strategie der Nicht-Entscheidung. Unsicherheit über den Ausgang des Konfliktes in Verbindung mit der Angst vor der eigenen Niederlage. Mangelndes Interesse am Problem, Gleichgültigkeit gegenüber anderer Person oder Gruppe. Fehlendes Wissen oder Annahme, dass Übereinkunft ohnehin nicht möglich sei.

 

2.    Beide verlieren (lose-lose)

Tendenz eines Kompromisses („fauler Kompromiss“); Beide Parteien haben nicht wirklich einen Vorteil erlangt, auch wenn es so scheint, als hätten die Konfliktparteien einen Teil ihrer ursprünglichen Position aufgegeben und sich scheinbar in der Mitte begegnen. Letztlich hat nämlich mindestens eine Partei doch den „Kürzeren“ gezogen.

Häufiger noch ist zu beobachten, dass weder die eine noch die andere Konfliktpartei bereit ist, offen zu verhandeln, auf das Gegenüber zuzugehen oder einem wirklichen Kompromiss zuzustimmen. Die eigenen Interessen werden als die wesentlichen Interessen beurteilt, das Gegenüber zählt nicht, jedes Einlenken wird als Niederlage betrachtet. Im Ergebnis ändert sich an einer festgefahrenen Situation häufig nichts, der Konflikt bleibt bestehen oder eskaliert weiter.

 

3.    Einer gewinnt, einer verliert (Win-Lose)

Auch hier kann sich die Tendenz eines "faulen Kompromisses" bemerkbar machen, insbesondere dann, wenn eine Konfliktpartei bewusst übervorteilt wurde, dies aber im ersten Moment nicht erkennen kann.

Weiterhin: Konfliktlösung durch Kampf oder Anpassung; Kompromiss oder Eingehen auf Interessen der anderen Partei nicht möglich (Kampf); Der Unterlegene sieht keine Chance zu gewinnen, oder ihm fehlt das Interesse, für seine Position zu kämpfen (Anpassung); Ungleiche Machtverteilung: Der Mächtigere erzwingt SEINE Lösung; der Unterlegene kann sich nicht dagegen zur Wehr setzen.

 

4.    Beide gewinnen (Win-Win)

Kooperative Konfliktlösung = konstruktiv; Interessen und Bedürfnisse beider Parteien werden berücksichtigt; Konfliktpartner beteiligen sich selber intensiv am Prozess der Konfliktregelung

 

 

Die neun Stufen der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl

Die neun Stufen der Konflikteskalation teilt Glasl in drei Ebenen ein. Auf den ersten drei Ebenen ist es noch möglich, dass beide Parteien ohne Schaden oder sogar mit Gewinn aus dem Konflikt aussteigen (win-win). Auf der zweiten Ebene muss einer von beiden der Verlierer sein (win-lose) und auf der dritten Ebene gibt es auf beiden Seite nur noch Verluste bis zur gegenseitigen Vernichtung (lose-lose).

 

Je tiefer man sich in Richtung der letzten Stufe begibt, desto härter werden die Methoden, mit denen die Kontrahenten einen Sieg zu erringen versuchen. Deshalb stellt Glasl sein Modell auch nicht als einen Anstieg zu den höheren Eskalationsstufen dar, sondern als hinabführende Treppe, die buchstäblich immer weiter in die Tiefe führt.

 

Glasl - Neun Stufen der KonflikteskalationGlasl - Neun Stufen der Konflikteskalation

 

 

 

 

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